Spießer – Was ist das

Spießer – Was ist das

Wie erkennt man einen Spießer und Spiessertum

 

Spiesser Definition

Ein Spießer ist ein erwachsener Mensch, dessen Interessen materiell und alltäglich sind und dessen Mentalität aus den Ideen und konventionellen Idealen seiner Gruppe und seiner Zeit besteht.

Ich habe „erwachsene Person“ gesagt, weil das Kind oder der Jugendliche, der wie ein kleiner Spießer aussieht, nur ein kleiner Nachahmer ist.

 

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„Spießer“ sind weltabgewandte, auf Tradition beharrende Kleinbürger, die zwar „Besonders“ sein wollen, aber sich nicht trauen, aus der Masse unkonventionell herauszustechen. Als einziger sein Auto an einer auffälligen Stelle zu parken, würde er nicht machen, obwohl es erlaubt ist. Die Konventionalität eines Spießers drückt sich in seinen konventionellen Vorstellungen aus. Alles bleibt im Durchschnitt und die Ansichten sind ängstlich, gut bürgerlich. In Gesellschaft zu rülpsen ist dem Spießer peinlich und er wird sich wortreich entschuldigen.

 

Woher der Begriff Spießer kommt

 

Der Begriff Spießer kommt aus dem Mittelalter. Während reicherer Bürger und Adelige in den Städten sich mit Pferd und Rüstung bei einem Angriff verteidigen konnten, waren die ärmeren Bevölkerungsschichten nur mit einem Spiess ausgerüstet. Diese Bürger nannte man „Spiesser“.

Irgendwann wurde das Wort zum Synonym für kleinbürgerliche Ansichten.

 

Spiesser gibt es nur in fortgeschrittenen Kulturen

 

Ein Spießer wird in einer sehr primitiven Gesellschaft wahrscheinlich nicht existieren, obwohl zweifellos Rudimente des Spießertum sogar dort gefunden werden können. So wie der amerikanische Spießer seine Orangen orange, seinen Lachs rosa und seinen Whisky gelb einfärbt, können wir uns zum Beispiel einen Kannibalen vorstellen, der es bevorzugen würde, wenn der menschliche Kopf, den er isst, künstlerisch eingefärbt ist. Im allgemeinen aber setzt das Spießertum einen gewissen fortgeschrittenen Zustand der Zivilisation voraus, in dem sich im Laufe der Jahrhunderte gewisse Traditionen auf einem Haufen angesammelt haben und beginnen zu stinken.

 

Das Spießertum ist international. Es findet sich in allen Nationen und in allen Klassen. Ein englischer Herzog kann genauso ein Spießer sein wie ein amerikanischer Schreiner oder ein französischer Bürokrat oder ein russischer Bankangestellter. Der Geschmack Lenins oder Stalins oder Hitlers in bezug auf die Künste und Wissenschaften war ausgesprochen bürgerlich. Ein Arbeiter oder Bergarbeiter kann genauso spiessbürgerlich sein wie ein Bankier oder eine Hausfrau oder ein Hollywoodstar.

 

 

Ein Spießer redet in Plattitüden

 

Das Spießertum beinhaltet nicht nur eine Sammlung von bürgerlichen Ideen, sondern auch die Verwendung von ausgebleichten Satzformeln, Klischees, Banalitäten, die sie zum Gespräch beitragen. „Das Auge isst mit“ — „Die wollen doch nur unser Geld!“ — „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ — „Kleider machen Leute“

Ein echter Spießer hat nichts als diese trivialen Ideen, aus denen er besteht. Aber es sollte zugegeben werden, dass wir alle unsere Klischeeseite haben; Wir alle im täglichen Leben benutzen Wörter oft nicht als Worte, sondern als Stereotype, als Floskeln. Das bedeutet nicht, dass wir alle Spießbürger sind, aber es bedeutet, dass wir vorsichtig sein sollten, uns nicht zu sehr dem automatischen Prozess des Austauschs von Plattitüden hinzugeben. An einem heißen Tag wird dich jeder fragen: „Ist es nicht heiss heute?“ aber das bedeutet nicht notwendigerweise, dass der Sprecher ein Spießer ist.

Es gibt Situationen, wo wir alle mal mittelmässig sind. Ich habe große Gelehrte, Dichter und Wissenschaftler getroffen, die in der Cafeteria auf das Niveau des allgemeinsten Grundniveau’s gesunken sind.

 

Ein Spiesser ist mittelmässig

 

Der Charakter, den ich im Blick habe, wenn ich „pseudo gebildet“ sage, ist also nicht der Teilzeit-Spießer, sondern der totale Typus, der vornehme Bourgeois, das vollkommene Universalprodukt der Trinität und Mittelmäßigkeit. Er ist der Konformist, der Mann, der sich seiner Gruppe anpasst, und er ist auch durch etwas anderes typisiert: Er ist ein Pseudo-Idealist, er ist pseudo-mitfühlend, er ist pseudo-weise. Der Betrüger ist der engste Verbündete des wahren Spießers. All diese großartigen Worte wie „Schönheit“, „Liebe“, „Natur“, „Wahrheit“ usw. werden zu Masken und Betrogenen, wenn der selbstgefällige Durchschnitts-Spiesser sie anwendet.

Der Spießer mag es zu beeindrucken, und er mag es, beeindruckt zu sein, infolgedessen wird eine Welt der Täuschung, des gegenseitigen Betrugs, von ihm und um ihn herum gebildet.

 

Hochstehende Kunst ist dem Spießer fremd

 

Ein Spießer kennt und interessiert sich nicht für hochstehende Kunst, einschließlich Literatur – sein Wesen ist un-künstlerhaft. Er schaut nur Mainstream Filme, er hält Matthias Schweighöfer für einen grossen Schauspieler, er lacht über Eckhart von Hirschhausen und liebt Helene Fischer.

Man kann zwar manchmal schon aus einer einzigen Eigenschaft auf das Spiessertum rückschliessen, aber in der Massierung von solchen Eigenschaften wird es immer wahrscheinlicher. Ein Mensch, der Gartenzwerge in seinem Vorgarten hat, ist ein Spiesser, aber umgekehrt hat nicht jeder Spiesser Gartenzwerge im Vorgarten.

Der Spießer ist in seinem leidenschaftlichen Drang, sich anzupassen, dazu zu gehören, sich anzuschließen, zwischen zwei Sehnsüchten hin- und hergerissen: Einerseits so zu handeln, wie jeder es tut, das zu bewundern, was alle bewundern dieses oder jenes zu benutzen, weil Millionen von anderen Menschen es tun; Oder andererseits sich danach zu sehnen, zu einem exklusiven Set zu gehören, zu einer Organisation, zu einem Club, zu einer Hotel-Memberschaft oder einer Kreuzfahrtschiff-Gemeinschaft (mit dem Kapitän in Weiß und wundervollem Essen), und sich an dem Wissen zu erfreuen, dass er am selben Tisch wie der Manager eines Konzerns oder eines europäischen Grafen sitzt. Der Spießer ist oft ein Snob. Er ist begeistert von Reichtum und Rang – „Liebling, ich habe tatsächlich mit einer Herzogin gesprochen!“

 

 

Die homosexuelle Ehe ist immer noch bürgerlich und spiesserhaft

 

Ich habe noch nie eine befriedigende Erklärung dafür gehört, warum die Homo-Ehe von den Linken der bürgerlichen Ehe überhaupt vorzuziehen ist. Sie, die Liberalen, sollten uns von solchen gesellschaftlichen Konventionen eigentlich befreien, und sie nicht wiedereinführen. Die Linke erkennt diese Albernheit nicht, was sich in absehbarer Zukunft auch nicht ändern wird. Die Linke ist spiessiger als ihr selber lieb sein kann.

 

letztes Update: 3. Oktober 2018